Bestimmte Dateiendungen verbieten - Dateiserververwaltung mit Windows Server 2003 R2


Mit dem Windows Server 2003 R2 kommt eine neue Dateiverwaltungskonsole in das System. Man kann sie über die Windowskomponenten nachinstallieren.
Mit dieser lassen sich nun endlich Quotas auf Verzeichnisebene realisieren und nicht mehr wie bisher nur auf Volumes.
Aber die Quota (Kontingent) Möglichkeit möchte ich heute nicht ansprechen. Es geht vielmehr um die Möglichkeit, wie ich es als Administrator schaffen kann bestimmte Dateien von meinem Server fernzuhalten, damit nicht jeder Anwender seine MP3s, Videos und vorallem ausführbare Dateien in seinem Homedrive ablegt und mir damit ein Loch in mein Sicherheitskonzept reisst oder die Sicherung aufgrund der Datenmenge sprengt.
Die Möglichkeit der Dateiserverwaltung bestimmte Dateien aus der Freigabe herauszuhalten, die die Benutzer verwenden könnten, um zB Software dort zu hinterlegen ist auf den ersten Blick eine sehr gute Idee und ein ratsames Feature. Der Anwender ist auf seinem System nur Benutzer und darf im Programme Ordner nur lesen. Da der gute Mensch aber auch arbeiten muss, gibt es im Netzwerk immer eine Stelle in der er Schreibrechte vorfindet. In dieser lassen sich dann also prima anstelle von normalen Worddokumenten auch diverse .exe Dateien unterbringen.
Mehr zu dem Thema in HowTo: Das Recht: Software installieren
Über die Dateiprüfung der Dateiserververwaltung ist das schnell erledigt und man kann somit recht schnell für mehr Sicherheit im Netzwerk sorgen. (Denkt man)

Zurück zum Ausgangspunkt:
Ich denke man ist sich schnell darüber klar, daß auf der einen Seite Quotas eine gute Möglichkeit bieten, damit die Anwender nicht jeden "Mist" im Netzwerk speichern aber der Inhalt der Dateien eine ebenso große Bedeutung hat. Quotas und Dateiendungen gehören zusammen und bilden eine Einheit.
Die Kontingentverwaltung gibt es von Microsoft seit Windows 2000 aber da sie bisher wie erwähnt nur auf Volumes eingerichtet werden konnten, haben die meisten Administratoren zu Drittanbieter gegriffen, z.B.: 
Miss Marple von Adlon
Quota Server von Northern
(jetzt Bestandteil der Northern Storage Suite)
StorageCentral von Symantec
(ehemals WQuinn, die gelben Boxen im Regal werden mehr ... *argh*)

Jetzt kommt der 2003 R2 und endlich klappt es mit den Quotas auf Verzeichnisebene und der nächste Blick fällt sofort auf die Dateiprüfungsverwaltung:




Juhuu, der Administrator freut sich.

Zu den vordefinierten Vorlagen lassen sich eigene definieren, oder die vorhandenen erweitern. Es können Mails versendet werden, die Meldung im Eventlog kann angepasst werden, ich kann zusätzliche Scripte definieren, die ausgeführt werden im Fall der Fälle, ich kann auswählen, wer Berichte und Benachrichtigungen erhält usw.usw.usw.
Die GUI ist sehr gefällig und selbsterklärend. Damit findet sich jeder Administrator schnell zurecht.

Aber just in dem Moment, wo man alles konfiguriert hat und sich freut, wise einfach es war und wie gut es klappt, kommt das böse Erwachen.

Ein kleiner Test:
Wir aktivieren die Dateiprüfung auf unserem Server für "D:\Daten". Dieser Ordner ist freigegeben und steht jedem Benutzer zur Verfügung.
Wir nehmen uns die Datei "Beethovens Symphonie Nr. 9 (Scherzo).wma", die auf jedem XP vorhanden ist und kopieren sie auf den Server.

Folgende Nachricht erscheint:


Juhuu, der Administrator freut sich schon wieder.

Wir gehen aber mal davon aus, daß unsere Anwender nicht ganz so dumm sind, wie wir es gerne hätten.
Wir benennen die Datei einfach mal um -> "Beethovens Symphonie Nr. 9 (Scherzo).musik" finde ich als Endung sowieso viel passender.

Aber nun kommt das versprochene böse Erwachen:



Ich fühle mich auf gut deutsch verar***t und stelle immer wieder mit Entsetzen fest,
daß das Denken doch den Pferden überlassen werden sollte, denn die haben die größeren
Köpfe und das scheint ihnen einen gewissen Vorteil einzuräumen.

Die Dateiprüfung schaut nicht in den Header einer Datei, um ihr Format zu bestimmen, nein, das wäre ja super und ordentlich.
Die Dateiprüfung von Microsoft prüft einzig und allein anhand der Dateiendung, sprich dem Namen, ob sie erlaubt ist oder nicht.

So langsam keimt in mir der Gedanke, daß der Windows Server 2003 R2 ein reines Spassprodukt ist und einem Marketing Gedanken entspringt, aber an keiner Stelle konsequent zu Ende gedacht wurde. Den Server hat man mal "auf die Schnelle" rausgehauen, weil man ja nicht 3 Jahre lang mit dem gleichen Produkt am Markt arbeiten kann.
Da muss man dem Kind einen neuen Namen vergeben (Windows Server 2003 SP2 wäre ja langweilig, daß kommt ja noch extra) und damit der neue Namen auch einen Sinn hat, gibt es eine Fülle von neuen Produktmerkmalen, damit der Vertriebler ein Verkaufsargument in der Hand hat. Aber keines dieser "Killerfeature" ist auch nur annähernd im brauchbaren Zustand.
Siehe auch: Bereitgestellte Drucker - Drucker Veröffentlichung mit Windows Server 2003 R2

Es mag sicherlich Argumente für den Einsatz von Windows Server 2003 R2 im Unternehmen geben, aber soweit sie meinen Bereich der Gruppenrichtlinien betreffen, bin ich eher entäuscht. Diese tiefe Traurigkeit in mir verwandelt sich langsam in Zorn und Wut. Es kann nicht sein, daß so einfache Dinge wie die Dateiprüfung von Hersteller schlicht und ergreifend ignoriert werden.

Fazit: Wir sind beim Thema interne Sicherheit und Prüfung von Dateien, keinen einzigen Schritt weitergekommen.
Ich räume ein, daß das Thema Dateiprüfung nicht unmittelbar mit Gruppenrichtlinien zusammen hängt, da diese Funktion nicht von ihnen gesteuert wird.

Betrachtet man die Anforderungen in einem internen Netzwerk, dann gehören Datensicherheit und Gruppenrichtlinien aber direkt in die gleiche Diskussionsrunde.


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